Liquor (CSF)
- Ein kurzer Leitfaden für Patienten
- Übersicht zum Liquor (CSF)
- Liquorgewinnung (Lumbalpunktion)
- Standardkomponenten der Liquoruntersuchung
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Details zur Lumbalpunktion
- Risiken und Nutzen der Lumbalpunktion
- Referenzen
Ein kurzer Leitfaden für Patienten: Die Liquoruntersuchung verstehen
- Was ist Liquor? Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) ist die spezielle, klare Flüssigkeit, die Ihr Gehirn und Rückenmark umgibt und schützt.
- Wie wird er entnommen? Er wird durch ein Verfahren namens Lumbalpunktion entnommen, bei dem ein Arzt mit einer dünnen Nadel eine kleine Probe der Flüssigkeit aus Ihrem unteren Rücken entnimmt.
- Ein Fenster zum Gehirn: Die Analyse dieser Flüssigkeit gibt Ärzten einen direkten Einblick in die Gesundheit Ihres zentralen Nervensystems. Es ist einer der wichtigsten Tests zur Diagnose von Erkrankungen wie Meningitis, Multipler Sklerose, Hirnblutungen und bestimmten Krebsarten.
- Worauf Ärzte achten: Sie überprüfen den Druck der Flüssigkeit, das Aussehen (sie sollte kristallklar sein) und senden sie ins Labor, um die Zellen zu zählen und die Protein- und Glukosewerte zu messen. Die Ergebnisse liefern entscheidende Hinweise darauf, was Ihre Symptome verursachen könnte.
Übersicht zum Liquor (CSF)
Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis, CSF) ist eine klare, farblose Körperflüssigkeit, die im Gehirn und Rückenmark vorkommt. Sie wird hauptsächlich von den Plexus choroidei innerhalb der Hirnventrikel produziert. Der Liquor zirkuliert durch die Ventrikel, den Subarachnoidalraum, der Gehirn und Rückenmark umgibt, und den Zentralkanal des Rückenmarks.
Der Liquor erfüllt mehrere lebenswichtige Funktionen:
- Auftrieb: Reduziert das effektive Gewicht des Gehirns und verhindert, dass es unter seinem eigenen Gewicht zerdrückt wird.
- Schutz: Wirkt als Stoßdämpfer und polstert Gehirn und Rückenmark gegen Traumata ab.
- Chemische Stabilität: Bietet eine stabile chemische Umgebung für das zentrale Nervensystem (ZNS).
- Abfallbeseitigung: Entfernt metabolische Abfallprodukte aus dem Gehirn.
- Nährstofftransport: Kann eine Rolle beim Transport von Nährstoffen spielen.
Die Analyse des Liquors ist ein entscheidendes diagnostisches Instrument zur Beurteilung einer Vielzahl von neurologischen Erkrankungen, die das Zentrale Nervensystem (ZNS) betreffen.
Liquorgewinnung (Lumbalpunktion)
Der Liquor wird typischerweise über eine Lumbalpunktion (LP) gewonnen. Bei diesem Verfahren wird eine spezielle Nadel in den Subarachnoidalraum im unteren Rücken (Lendenbereich) eingeführt, normalerweise zwischen den Wirbeln L3/L4 oder L4/L5, unterhalb der Ebene, auf der das Rückenmark bei Erwachsenen endet.
Während einer LP können mehrere Parameter beurteilt und Liquorproben für die Laboranalyse entnommen werden:
- Messung des Liquor-Eröffnungsdrucks.
- Beurteilung des Aussehens des Liquors (Farbe, Klarheit).
- Entnahme von Liquor in sterile Röhrchen für verschiedene Labortests (z. B. Zellzahl, Protein, Glukose, Mikrobiologie, Zytologie).
- Manchmal zu therapeutischen Zwecken verwendet (z. B. Injektion von Medikamenten, Ableitung von überschüssiger Flüssigkeit).
Standardkomponenten der Liquoruntersuchung
Die routinemäßige Liquoruntersuchung umfasst typischerweise die Beurteilung der physikalischen Eigenschaften, der chemischen Zusammensetzung und die mikroskopische Untersuchung.
Aussehen & physikalische Eigenschaften
Transparenz/Trübung: Normaler Liquor ist kristallklar wie Wasser. Eine Trübung weist auf eine erhöhte Anzahl von Zellen (Leukozyten, Erythrozyten), Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) oder signifikant erhöhte Proteinwerte hin.
Farbe: Normaler Liquor ist farblos. Eine abnormale Färbung kann auf eine zugrunde liegende Pathologie hinweisen:
- Rosa/Rot: Vorhandensein von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) aufgrund einer Blutung in den Liquor (Subarachnoidalblutung) oder einer traumatischen Punktion.
- Gelb/Orange/Braun (Xanthochromie): Weist auf das Vorhandensein von Bilirubin (aus dem Abbau von Erythrozyten nach einer Blutung), sehr hohe Proteinwerte oder Melanin (selten, bei metastasiertem Melanom) hin.
- Grünlich: Kann auf eine schwere Infektion mit Eiter (eitrige Meningitis) oder hohe Bilirubinwerte hinweisen, die zu Biliverdin oxidieren.
- Trüb/Milchig: Deutet auf eine hohe Anzahl weißer Blutkörperchen (Infektion/Entzündung), Mikroorganismen oder sehr viel Protein hin.
Vorhandensein von Blut (Erythrozytorrhachie): Erythrozyten fehlen normalerweise. Ihr Vorhandensein erfordert eine Unterscheidung zwischen einer traumatischen Punktion (Blut, das während des LP-Verfahrens eingebracht wurde) und einer echten Subarachnoidalblutung (SAB) oder einer anderen ZNS-Blutung. Merkmale, die auf eine traumatische Punktion hindeuten, sind das Aufklaren des Blutes von Röhrchen 1 bis Röhrchen 4 und das Fehlen einer Xanthochromie (nach Zentrifugation). Eine echte SAB zeigt typischerweise konsistentes Blut in allen Röhrchen und die Entwicklung einer Xanthochromie nach mehreren Stunden.
- Der Liquor erscheint farblos, wenn die Erythrozytenzahl < ~150/µl beträgt.
- Grau-rosa bei etwa 600-1000 Erythrozyten/µl.
- Rosa-rot bei etwa 2000-50.000 Erythrozyten/µl.
- Sichtbar blutig bei > 50.000 Erythrozyten/µl.
Ursachen für echtes Blut im Liquor sind hämorrhagischer Schlaganfall, rupturiertes Aneurysma, Schädel-Hirn-Trauma, Einblutung in einen Tumor oder hämorrhagische Enzephalitis. Erythrozyten verschwinden typischerweise innerhalb von Tagen bis Wochen, abhängig von der Ursache und Schwere.
Xanthochromie: Gelbliche Verfärbung des Liquorüberstands nach Zentrifugation. Sie wird hauptsächlich durch Bilirubin verursacht, das beim Abbau von Hämoglobin nach einer Blutung in den Subarachnoidalraum freigesetzt wird. Sie tritt normalerweise innerhalb von 2-12 Stunden nach einer SAB auf und kann 2-4 Wochen oder länger anhalten. Sehr hohe Proteinwerte (>150 mg/dl) oder eine systemische Hyperbilirubinämie können ebenfalls eine Xanthochromie verursachen. Eine "Stauungs"-Xanthochromie kann bei gestörtem Liquorfluss (z. B. Spinalblockade durch Tumor) auftreten, was zu Proteinakkumulation und Bilirubinaustritt führt.
Fibringerinnsel/Häutchen: Normaler Liquor enthält kein Fibrinogen und sollte nicht gerinnen. Die Bildung eines Fibringerinnsels oder eines zarten, netzartigen Häutchens nach der Entnahme weist auf erhöhte Proteinwerte, insbesondere Fibrinogen, hin, was auf einen signifikanten Zusammenbruch der Blut-Hirn-Schranke (BHS) oder eine Blutkontamination hindeutet. Wird oft bei tuberkulöser Meningitis, eitriger Meningitis, Spinalblockade oder ZNS-Tumoren gesehen.
Eröffnungsdruck: Gemessen mit einem Manometer während der LP (Patient liegt auf der Seite). Der normale Druck bei Erwachsenen beträgt typischerweise 10-18 cm H₂O (oder ~70-180 mm H₂O). Ein erhöhter Druck deutet auf einen erhöhten intrakraniellen Druck hin (Infektion, Tumor, Hydrozephalus, Blutung, idiopathische intrakranielle Hypertonie). Ein niedriger Druck kann bei Liquorlecks oder Dehydration auftreten.
Relative Dichte (Spezifisches Gewicht): Der Normalbereich liegt bei etwa 1,003-1,008. Sie steigt mit höherem Protein- oder Zellgehalt (z. B. Meningitis, Urämie). Sie sinkt mit erhöhtem Wassergehalt (z. B. Hydrozephalus oder Überwässerung).
Chemische Analyse
Proteinkonzentration: Das normale Liquorprotein ist im Vergleich zum Plasma sehr niedrig, da die BHS den Proteineintritt einschränkt. Das typische lumbale Liquorprotein beträgt 15-45 mg/dl (0,15-0,45 g/l). Die Proteinwerte sind im ventrikulären und zisternalen Liquor niedriger.
- Erhöhtes Protein (Hyperproteinorrhachie): Weist auf eine Störung der BHS oder eine erhöhte intrathekale (innerhalb des ZNS) Proteinsynthese hin. Ursachen sind Meningitis (bakteriell, viral, pilzbedingt, tuberkulös), Enzephalitis, Subarachnoidalblutung, Hirntumoren (insbesondere in der Nähe von Liquorräumen), Hirnabszess, Guillain-Barré-Syndrom (albuminzytologische Dissoziation - hohes Protein, normale Zellen), Multiple Sklerose (aufgrund intrathekaler IgG-Synthese), Spinalblockade/-kompression, Enzephalopathie, Schädel-Hirn-Trauma (SHT), parasitäre Infektionen (Zystizerkose), Arachnoiditis. Etwa 80-85 % des Liquorproteins stammen aus dem Blutserum (hauptsächlich Albumin), während ~15-20 % intrathekal produziert werden. Der Liquor-Albumin-Spiegel oder der Liquor/Serum-Albumin-Quotient (QAlb) ist ein spezifisches Maß für die BHS-Permeabilität.
- Vermindertes Protein (Hypoproteinorrhachie): Seltener. Kann bei der Entnahme großer Liquorvolumina, Liquorlecks, erhöhtem intrakraniellem Druck (manchmal), Hyperthyreose oder manchmal bei kleinen Kindern beobachtet werden.
Glukose: Die normale Liquorglukose beträgt typischerweise etwa 60 % des gleichzeitigen Blutglukosespiegels (ca. 40-70 mg/dl oder 2,2-3,9 mmol/l bei normalem Blutzucker). Zur Interpretation sollte immer gleichzeitig ein Blutzuckerspiegel gemessen werden.
- Verminderte Glukose (Hypoglykorrhachie): Liquorglukose < 40 mg/dl oder Liquor/Blut-Glukose-Quotient < 0,4-0,5. Deutet auf einen erhöhten Glukoseverbrauch im ZNS oder einen gestörten Transport über die BHS hin. Klassischer Befund bei bakterieller Meningitis. Wird auch bei tuberkulöser, pilzbedingter und amöbischer Meningitis; karzinomatöser/lymphomatöser Meningitis; Sarkoidose; parasitären Infektionen; manchmal nach Subarachnoidalblutung gesehen. Bei viraler Meningitis ist die Liquorglukose typischerweise normal.
- Erhöhte Glukose (Hyperglykorrhachie): Spiegelt in erster Linie hohe Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) bei Diabetes mellitus wider. Selten unabhängig erhöht; kann bei bestimmten Arten von Enzephalitis oder Hirnverletzungen leicht auftreten.
Laktat: Spiegelt den anaeroben Stoffwechsel im ZNS wider. Normales Liquorlaktat liegt typischerweise bei < 2,1-2,5 mmol/l. Erhöhte Werte (> 3,5 mmol/l) weisen stark auf eine bakterielle Meningitis hin (selbst wenn die Gram-Färbung negativ ist) und können helfen, sie von einer viralen Meningitis zu unterscheiden (bei der das Laktat normalerweise normal oder nur leicht erhöht ist). Auch erhöht bei Hypoxie, Ischämie (Schlaganfall), Krampfanfällen, Hirntumoren, mitochondrialen Erkrankungen und bestimmten Stoffwechselstörungen.
pH-Wert: Normalerweise streng reguliert um 7,28-7,32. Signifikante Abnahmen (Azidose) können bei schweren ZNS-Insulten wie großen Blutungen, schwerem Schädel-Hirn-Trauma, ausgedehntem Infarkt, eitriger Meningitis oder Status epilepticus auftreten und weisen oft auf eine schlechte Prognose hin. Systemische Azidose/Alkalose verursacht im Vergleich zum Blut-pH-Wert normalerweise geringere Verschiebungen des Liquor-pH-Werts.
Ketonkörper: Normalerweise nicht vorhanden. Ihr Vorhandensein (Ketonorrhachie) deutet auf einen veränderten Hirnstoffwechsel hin, der möglicherweise nach Hirnoperationen, schwerem SHT, Subarachnoidalblutung oder intensiver ZNS-Stimulation/-Erregung auftritt, wo die Ketonverwertung beeinträchtigt sein kann.
Nitrite: Normalerweise nicht vorhanden. Ihr Vorhandensein weist auf die Aktivität nitratreduzierender Bakterien hin und deutet daher auf eine bakterielle Meningitis hin, die durch häufige Erreger wie E. coli oder Klebsiella verursacht wird. Viele häufige Meningitis-Erreger (z. B. Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis, Staphylokokken, Mycobacterium tuberculosis) produzieren jedoch *keine* Nitrite, sodass ein negativer Test eine bakterielle Meningitis nicht ausschließt.
Mikroskopische Untersuchung (Zellzahl & Differenzialbild)
Die mikroskopische Analyse beurteilt die Anzahl und Art der im Liquor vorhandenen Zellen.
Gesamtzellzahl (Leukozyten & Erythrozyten): Wird mit einer Hämozytometerkammer durchgeführt. Normaler Liquor bei Erwachsenen enthält sehr wenige weiße Blutkörperchen (Leukozyten) – typischerweise 0-5 Lymphozyten/Monozyten pro Mikroliter (µl oder mm³). Erythrozyten sollten fehlen.
- Pleozytose: Eine erhöhte Anzahl von Leukozyten im Liquor, die auf eine Entzündung oder Infektion im ZNS hinweist. Der Grad wird oft klassifiziert:
- Leicht: 6-70 Zellen/µl
- Mäßig: 70-250 Zellen/µl
- Deutlich (Ausgeprägt): 250-1000 Zellen/µl
- Schwer (Stark ausgeprägt): >1000 Zellen/µl
- Massiv: >10.000 Zellen/µl
- Erythrozyten werden gezählt, um auf Blutungen oder eine traumatische Punktion zu prüfen.
- Pleozytose: Eine erhöhte Anzahl von Leukozyten im Liquor, die auf eine Entzündung oder Infektion im ZNS hinweist. Der Grad wird oft klassifiziert:
Zelldifferenzierung: Ein gefärbtes zytozentrifugiertes Präparat (Zytospin) wird mikroskopisch untersucht, um die Prozentsätze der verschiedenen Arten von Leukozyten zu bestimmen. Dies ist entscheidend für die Diagnose der Ursache der Pleozytose.
Lymphozyten: Überwiegen im normalen Liquor (etwa 70 %). Erhöhte Lymphozyten (lymphozytäre Pleozytose) sind charakteristisch für:
- Virale Meningitis/Enzephalitis
- Tuberkulöse Meningitis (oft gemischt mit Monozyten)
- Pilzmeningitis
- Neurosyphilis
- Multiple Sklerose (leichter Anstieg)
- Parasitäre Infektionen (z. B. Zystizerkose, Toxoplasmose)
- Einige Hirntumoren (Lymphom, Leukämie)
- Guillain-Barré-Syndrom (normalerweise normal oder leichter Anstieg)
- Sarkoidose
- Autoimmune/entzündliche Enzephalopathien
Monozyten: Machen den Großteil der verbleibenden Zellen im normalen Liquor aus (etwa 30 %). Ein Anstieg (monozytäre Pleozytose), oft gemischt mit Lymphozyten, deutet auf eine chronische oder subakute Entzündung hin:
- Tuberkulöse Meningitis
- Neurosyphilis
- Pilzmeningitis
- Virale Meningitis (insbesondere in späteren Stadien)
- Hirntumoren
- Multiple Sklerose
- Chronisch entzündliche Erkrankungen
Makrophagen: Diese von Monozyten stammenden phagozytischen Zellen sind normalerweise nicht vorhanden. Ihr Auftreten weist auf eine Reaktion auf Blutungen (die nach einer SAB Hämosiderin- oder Hämatoidinpigment enthalten), frühere Entzündungen, Infektionen oder das Vorhandensein von Fremdmaterial oder nekrotischem Gewebe hin. Wird oft nach ZNS-Blutungen oder -Operationen oder bei bestimmten Tumoren gesehen.
Neutrophile (Polymorphkernige Leukozyten - PMNs): Fehlen im normalen Liquor von Erwachsenen praktisch. Ein Überwiegen von Neutrophilen (neutrophile Pleozytose) weist stark auf eine akute bakterielle Meningitis hin. Wird auch gesehen bei:
- Früher viraler Meningitis (vorübergehend)
- Früher tuberkulöser oder pilzbedingter Meningitis
- Hirnabszess
- Subduralem Empyem
- Amöben-Meningoenzephalitis
- Chemischer Meningitis (Reaktion auf injizierte Substanzen)
- Frühphase nach Blutung (Schlaganfall, SAB) oder ZNS-Infarkt
- ZNS-Vaskulitis
- Metastasierender Tumorinfiltration
Eosinophile: Fehlen im normalen Liquor. Eine eosinophile Pleozytose (erhöhte Eosinophile) ist relativ ungewöhnlich und deutet auf Folgendes hin:
- Parasitäre Infektionen des ZNS (Zystizerkose, Toxokariasis, Angiostrongyliasis - weltweit häufige Ursache)
- Pilzinfektionen (insbesondere Coccidioides)
- Allergische Reaktionen (z. B. auf Shunts, Medikamente, in den Liquorraum injizierte Kontrastmittel)
- Bestimmte Arten von Meningitis (z. B. idiopathisches hypereosinophiles Syndrom, einige medikamenteninduzierte)
- Einige bösartige Erkrankungen (Lymphom, Leukämie, Hirntumoren)
- Polyarteriitis nodosa, Sarkoidose mit ZNS-Beteiligung
Basophile: Äußerst selten im Liquor, selbst bei Krankheiten. Kann bei einigen chronisch entzündlichen oder allergischen Erkrankungen oder bestimmten Leukämien gesehen werden.
Plasmazellen: Reife antikörperproduzierende B-Zellen, die im normalen Liquor fehlen. Ihr Vorhandensein weist auf eine chronische Entzündung oder Immunstimulation innerhalb des ZNS hin. Gefunden bei:
- Multipler Sklerose (MS)
- Subakuter sklerosierender Panenzephalitis (SSPE)
- Neurosyphilis
- Tuberkulöser Meningitis
- Chronischer viraler oder pilzbedingter Meningitis/Enzephalitis
- Guillain-Barré-Syndrom (manchmal)
- Sarkoidose
- ZNS-Lymphom / Multiples Myelom mit ZNS-Beteiligung
Unreife weiße Blutkörperchen (Blasten): Das Vorhandensein von Blastenzellen weist auf eine Infiltration des ZNS durch Leukämie (Neuroleukämie) hin, am häufigsten akute lymphatische Leukämie (ALL) oder akute myeloische Leukämie (AML).
Andere Zellen (Arachnoidal-, Ependymzellen): Plexus-choroideus-Zellen, Ependymzellen, die die Ventrikel auskleiden, oder Arachnoidalzellen, die den Subarachnoidalraum auskleiden, können gelegentlich gesehen werden, insbesondere nach Traumata, Operationen oder bei bestimmten Tumoren in der Nähe von Liquorräumen.
Tumorzellen (Zytologie): Mikroskopische Untersuchung, die speziell nach bösartigen Zellen sucht. Eine positive Zytologie weist auf primäre ZNS-Tumoren hin, die in den Liquor streuen (z. B. Medulloblastom, Ependymom, Gliom), oder auf eine metastatische Ausbreitung in die Leptomeningen (Meningeosis carcinomatosa/lymphomatosa/melanomatosa) von Krebsarten wie Brust-, Lungenkrebs, Melanom, Lymphom, Leukämie.
Mikrobiologische Untersuchung
- Gram-Färbung: Schnelle mikroskopische Untersuchung auf Bakterien. Die Sensitivität ist begrenzt, aber bei Verdacht auf bakterielle Meningitis entscheidend.
- Bakterienkultur & Antibiogramm: Zur Identifizierung der spezifischen Bakterien, die die Meningitis verursachen, und zur Bestimmung der Antibiotikaempfindlichkeit.
- Pilzfärbung (z. B. Tusche) & Kultur: Bei Verdacht auf Pilzmeningitis (z. B. Cryptococcus).
- Säurefeste Färbung & Kultur: Bei Verdacht auf tuberkulöse Meningitis (erfordert spezielle Nährmedien und längere Inkubation).
- Virale PCR: Hochempfindliche Tests auf spezifische virale Erreger (z. B. Herpes-simplex-Virus (HSV), Enteroviren, Varizella-Zoster-Virus (VZV)).
- Antigentests: Schnelltests auf spezifische bakterielle oder pilzliche Antigene (z. B. Kryptokokken-Antigen).
- Syphilis-Serologie (VDRL): Test auf Neurosyphilis (obwohl im Liquor oft unempfindlich).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist eine Lumbalpunktion schmerzhaft oder gefährlich?
Der Eingriff wird mit einem Lokalanästhetikum durchgeführt, um den Bereich zu betäuben, sodass Sie nur ein kurzes Stechen von der Betäubungsspritze und dann etwas Druck während des Haupteingriffs spüren sollten. Es ist im Allgemeinen sehr sicher, wenn es von einem erfahrenen Fachmann durchgeführt wird. Die häufigste Nebenwirkung ist ein Kopfschmerz, der sich beim Aufsitzen verschlimmert und normalerweise von selbst abklingt. Schwere Komplikationen wie Infektionen oder Blutungen sind sehr selten.
Warum muss ich nach dem Eingriff flach liegen?
Ihr Arzt wird Sie möglicherweise bitten, nach der Lumbalpunktion für kurze Zeit flach zu liegen. Es wird angenommen, dass dies die Wahrscheinlichkeit verringert, einen Postpunktionellen Kopfschmerz zu entwickeln, der durch ein kleines, vorübergehendes Austreten von Liquor aus der Einstichstelle verursacht wird. Das Befolgen dieser Anweisungen sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr können helfen, dieses Risiko zu minimieren.
Wie kann der Arzt anhand des Liquors den Unterschied zwischen viraler und bakterieller Meningitis erkennen?
Das Muster der Ergebnisse liefert starke Hinweise. Eine bakterielle Meningitis verursacht typischerweise eine sehr trübe Flüssigkeit mit einer hohen Anzahl von weißen Blutkörperchen vom Neutrophilen-Typ, sehr viel Protein und sehr wenig Glukose. Im Gegensatz dazu verursacht eine virale Meningitis normalerweise eine klarere Flüssigkeit mit einem milderen Anstieg der weißen Blutkörperchen vom Lymphozyten-Typ sowie normalem oder nur leicht erhöhtem Protein und normaler Glukose. Tests auf Laktat und spezifische Mikroben (wie PCR oder Kultur) bestätigen die Diagnose.
Details zur Lumbalpunktion
- Lagerung: Der Patient liegt typischerweise auf der Seite mit zur Brust gezogenen Knien (Fötalstellung) oder sitzt nach vorne über einen Tisch gebeugt, um die Räume zwischen den Lendenwirbeln zu öffnen.
- Vorbereitung der Stelle: Der untere Rücken wird mit einer antiseptischen Lösung gereinigt und abgedeckt. Ein Lokalanästhetikum wird injiziert, um die Haut und das tiefere Gewebe zu betäuben.
- Einführen der Nadel: Eine spezielle Spinalnadel wird zwischen den Dornfortsätzen (normalerweise im Raum L3/L4 oder L4/L5) in den Subarachnoidalraum eingeführt.
- Druckmessung: Sobald der Liquorfluss erreicht ist, wird bei Bedarf mit einem Manometer ein Eröffnungsdruck gemessen.
- Liquorgewinnung: Der Liquor darf langsam in sterile Sammelröhrchen tropfen (typischerweise werden 3-4 Röhrchen für verschiedene Tests entnommen - z. B. Röhrchen 1 für Chemie/Serologie, Röhrchen 2 für Mikrobiologie, Röhrchen 3 für Zellzahl/Differenzialbild, Röhrchen 4 für den Vergleich der Zellzahl oder spezielle Tests).
- Entfernen der Nadel & Verband: Die Nadel wird herausgezogen und ein steriler Verband angelegt.
- Nach dem Eingriff: Der Patient kann gebeten werden, für eine gewisse Zeit (z. B. 30-60 Minuten) flach zu liegen, um das Risiko eines Postpunktionellen Kopfschmerzes möglicherweise zu verringern, obwohl der Nutzen einer längeren Bettruhe umstritten ist. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wird empfohlen.
Risiken und Nutzen der Lumbalpunktion
Nutzen:
- Liefert wesentliche diagnostische Informationen für schwere neurologische Erkrankungen (Infektionen, Entzündungen, Blutungen, Krebs), die auf andere Weise nicht gewonnen werden können.
- Ermöglicht die Messung des intrakraniellen Drucks.
- Kann therapeutisch sein (z. B. Entfernung von Liquor zur Drucksenkung, Verabreichung von intrathekalen Medikamenten).
Risiken:
- Postpunktioneller Kopfschmerz (PLPH): Häufigste Komplikation, meist ein lageabhängiger Kopfschmerz (schlimmer beim Aufrichten, besser im Liegen), der durch Liquoraustritt verursacht wird. Klingt typischerweise spontan oder mit konservativen Maßnahmen (Flüssigkeit, Koffein, Ruhe) ab; erfordert selten einen epiduralen Blutpatch.
- Rückenschmerzen: Lokale Schmerzen oder Beschwerden an der Einstichstelle sind häufig, aber meist vorübergehend.
- Blutung: Kleinere Blutungen an der Einstichstelle sind möglich. Ein signifikantes spinales epidurales oder subdurales Hämatom ist selten, aber schwerwiegend, insbesondere bei Patienten mit Blutungsstörungen oder unter Antikoagulanzien.
- Infektion: Die Einbringung einer Infektion (Meningitis) ist bei richtiger steriler Technik sehr selten.
- Nervenverletzung: Vorübergehendes Taubheitsgefühl oder Kribbeln in einem Bein kann auftreten, wenn eine Nervenwurzel gereizt wird; dauerhafte Nervenschäden sind extrem selten.
- Zerebrale Herniation: Extrem seltene, aber potenziell tödliche Komplikation, wenn die LP bei einem Patienten mit signifikant erhöhtem intrakraniellem Druck und einer großen Raumforderung durchgeführt wird, die Druckunterschiede innerhalb des Schädels verursacht. Eine Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT) wird normalerweise vor der LP durchgeführt, wenn ein erhöhter intrakranieller Druck oder eine Raumforderung vermutet wird.
Fachkundige medizinische Beratung ist unerlässlich
Diese Informationen dienen zu Bildungszwecken. Die Entscheidung zur Durchführung einer Lumbalpunktion und die Interpretation der Liquorergebnisse sind komplexe medizinische Aufgaben, die von qualifiziertem medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden müssen. Besprechen Sie Fragen oder Bedenken immer mit Ihrem Arzt.
Referenzen
- See, S. J., & Zerah, M. (2007). Cerebrospinal fluid: analysis. In *Encyclopedia of Stress* (Second Edition) (pp. 421-427). Academic Press.
- Fishman, R. A. (1992). *Cerebrospinal Fluid in Diseases of the Nervous System* (2nd ed.). W.B. Saunders Company.
- National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS). (n.d.). Lumbar Puncture (Spinal Tap). NIH. Abgerufen von https://www.ninds.nih.gov/health-information/diagnostic-tests/lumbar-puncture-spinal-tap
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- Deisenhammer, F., Bartos, A., Egg, R., Gilhus, N. E., Giovannoni, G., Rauer, S., & Sellebjerg, F. (2006). EFNS guidelines on routine cerebrospinal fluid analysis. *European Journal of Neurology*, 13(9), 913–922. https://doi.org/10.1111/j.1468-1331.2006.01483.x
- Lab Tests Online. (n.d.). CSF Analysis. Abgerufen von https://labtestsonline.org/tests/csf-analysis
Siehe auch
- Antiphospholipid-Syndrom (APS)
- Marker für autoimmune Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
- Biochemische Marker des Knochenumbaus und von Knochenerkrankungen
- Liquoruntersuchung (CSF)
- Großes Blutbild (CBC):
- Lipoprotein(a), Lp(a)
- S100-Protein-Tumormarker - ein Marker für Hirnschäden
- Spermiogramm (Samenanalyse)
- Tumormarker-Tests (Krebs-Biomarker):
- Alpha-Fetoprotein (AFP)
- ALK-Rearrangement (ctDNA)
- β-2-Mikroglobulin (Beta-2)
- BRAF-Mutation (ctDNA)
- BRCA1/BRCA2-mutationsassoziierte Marker (ctDNA)
- CA 19-9, CA 72-4, CA 50, CA 15-3 und CA 125 Tumormarker (Krebsantigene)
- Calcitonin
- Krebsassoziiertes Antigen 549 (CA 549)
- Karzinoembryonales Antigen (CEA)
- Chromogranin A (CgA)
- Zytokeratin-19-Fragment (CYFRA 21-1)
- Östrogenrezeptor (ER) / Progesteronrezeptor (PR) (CTCs)
- Gastrin-Releasing-Peptid (GRP)
- HE4 (Humanes Epididymis-Protein 4)
- HER2/neu (Serum)
- Humanes Choriongonadotropin (hCG)
- KRAS-Mutation (ctDNA)
- Laktatdehydrogenase (LDH)
- Mesothelin
- Mucin-artiges karzinomassoziiertes Antigen (MCA)
- Neuronenspezifische Enolase (NSE)
- Osteopontin
- PD-L1-Expression (CTCs oder Serum)
- ProGRP (Pro-Gastrin-Releasing-Peptid)
- Prostata-spezifisches Antigen (PSA)-Test
- S100-Protein-Tumormarker
- Plattenepithelkarzinom-Antigen (SCC)
- Thyreoglobulin (Tg)
- Gewebepolypeptid-Antigene (TPA, TPS)
- Urinanalyse:


