Leukozyten (WBC) Parameter
Kurzanleitung für Patienten: Ihre weißen Blutkörperchen verstehen
- Ihr körpereigenes Verteidigungsteam: Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sind die Soldaten Ihres Immunsystems, die Infektionen abwehren und Entzündungen bekämpfen.
- Die Gesamtanzahl: Ein Standard-Bluttest misst Ihre Gesamtleukozytenzahl. Eine hohe Anzahl (Leukozytose) signalisiert oft, dass Ihr Körper etwas abwehrt, wie z. B. eine Infektion. Eine niedrige Anzahl (Leukopenie) kann bedeuten, dass Ihr Immunsystem geschwächt ist.
- Das "Differentialblutbild" - Die Akteure kennenlernen: Ein Differentialblutbild unterteilt Ihre Leukozyten in fünf Haupttypen: Neutrophile, Lymphozyten, Monozyten, Eosinophile und Basophile.
- Unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Hinweise: Eine Zunahme oder Abnahme eines bestimmten Zelltyps liefert Ihrem Arzt genauere Hinweise. Beispielsweise deuten hohe Neutrophile oft auf eine bakterielle Infektion hin, während hohe Lymphozyten auf eine Virusinfektion hinweisen können.
- Der Kontext ist entscheidend: Eine Leukozytenzahl wird niemals isoliert interpretiert. Ihr Arzt verwendet diese Ergebnisse zusammen mit Ihren Symptomen und anderen Tests, um zu verstehen, was mit Ihrer Gesundheit passiert.
Übersicht über weiße Blutkörperchen (WBC / Leukozyten)
Weiße Blutkörperchen (WBCs), auch bekannt als Leukozyten, sind wesentliche Bestandteile des Immunsystems. Sie zirkulieren im Blut und in der Lymphflüssigkeit und sind entscheidend für die Abwehr des Körpers gegen Infektionen (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) und andere fremde Eindringlinge. Sie spielen auch eine Rolle bei Entzündungen, allergischen Reaktionen und der Zerstörung abnormaler Zellen (wie Krebszellen).
Es gibt fünf Haupttypen von Leukozyten, jeder mit unterschiedlichen Funktionen. Die Beurteilung der Anzahl und Arten von Leukozyten ist ein Standardbestandteil eines großen Blutbildes (CBC), das oft ein "Differentialblutbild" umfasst, welches den Prozentsatz und die absolute Anzahl jedes Typs angibt.
Gesamtleukozytenzahl (WBC)
Die Gesamtleukozytenzahl misst die Gesamtzahl der Leukozyten in einem Blutvolumen, typischerweise ausgedrückt als Zellen x 109 pro Liter (x 109/L) oder Zellen pro Mikroliter (Zellen/µL). Ein typischer Referenzbereich für Erwachsene liegt bei etwa **4,0 bis 11,0 x 109/L** (oder 4.000 bis 11.000 Zellen/µL), obwohl die Bereiche zwischen den Labors leicht variieren können.
Leukozytose (Hohe WBC-Zahl)
Ein Anstieg der Gesamtleukozytenzahl über den Normalbereich wird als Leukozytose bezeichnet. Sie kann physiologisch oder pathologisch sein.
- Physiologische Leukozytose (Vorübergehender Anstieg, oft mild):
- Anstrengende körperliche Betätigung (Muskelarbeit)
- Emotionaler Stress, starke Schmerzen
- Nach proteinreichen Mahlzeiten
- Exposition gegenüber extremen Temperaturen (heiß oder kalt)
- Schwangerschaft und Wehen
- Einwirkung von UV-Strahlen (seltenere Ursache)
- Neugeborene
- Pathologische Leukozytose (Weist oft auf eine zugrunde liegende Erkrankung hin):
- Infektionen: Besonders bakterielle Infektionen, aber auch einige virale, fungale, parasitäre Infektionen.
- Entzündungen: Erkrankungen, die Gewebeentzündungen verursachen (z. B. Autoimmunerkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Pankreatitis).
- Gewebenekrose/-schädigung: Herzinfarkt (Myokardinfarkt), Verbrennungen, Quetschverletzungen, Operationen.
- Malignome:
- Leukämien (akut und chronisch) - oft sehr hohe Zellzahlen mit abnormalen Zellen.
- Andere Krebsarten (können eine reaktive Leukozytose verursachen).
- Intoxikationen/Gifte: Bestimmte Toxine, Stoffwechselzustände (Urämie, diabetische Ketoazidose, Eklampsie), Gicht.
- Schwere Blutung oder Hämolyse: Akute Anämie kann die Freisetzung von Leukozyten auslösen.
- Medikamente: Kortikosteroide, Lithium, Epinephrin.
- Zustände nach Splenektomie: Nach Entfernung der Milz.
Leukopenie (Niedrige WBC-Zahl)
Ein Abfall der Gesamtleukozytenzahl unter den Normalbereich (typischerweise < 4,0 x 109/L) wird als Leukopenie bezeichnet. Sie resultiert oft aus einer Abnahme der Neutrophilen (Neutropenie). Ursachen sind unter anderem:
- Bestimmte Infektionen:
- Virusinfektionen (z. B. Influenza, Masern, Virushepatitis, HIV/AIDS).
- Schwere bakterielle Infektionen (überwältigende Sepsis, Typhus, Paratyphus, Brucellose).
- Einige Protozoen- (Malaria) oder Rickettsieninfektionen.
- Miliartuberkulose.
- Knochenmarkversagen/-suppression:
- Aplastische Anämie.
- Myelodysplastische Syndrome (MDS).
- Infiltration des Knochenmarks (Leukämie, Lymphom, metastasierender Krebs).
- Schwere Mangelernährung (z. B. Vitamin B12, Folsäure).
- Strahlenexposition.
- Chemotherapie oder bestimmte Medikamente (siehe unten).
- Medikamente: Zahlreiche Medikamente können eine Leukopenie verursachen, darunter einige Antibiotika (Sulfonamide, Chloramphenicol), Analgetika (Metamizol), Antipsychotika (Clozapin), Antikonvulsiva, Antihistaminika, Diuretika, Chemotherapeutika, Immunsuppressiva.
- Autoimmunerkrankungen: Systemischer Lupus erythematodes (SLE), Rheumatoide Arthritis (RA) - immunologische Zerstörung von Leukozyten.
- Hypersplenismus: Eine vergrößerte, überaktive Milz, die Blutzellen einfängt und zerstört.
- Angeborene Erkrankungen: Seltene erbliche Erkrankungen, die die Leukozytenproduktion beeinträchtigen.
- Schwere Schwäche/Kachexie.
- Anaphylaktischer Schock.
Differentialblutbild (WBC)
Das Differentialblutbild schlüsselt die Gesamtleukozytenzahl in die Prozentsätze und/oder absoluten Zahlen der fünf Haupttypen von Leukozyten auf:
Neutrophile
Neutrophile sind die häufigste Art von Leukozyten bei Erwachsenen und sind entscheidende Ersthelfer bei bakteriellen Infektionen und Entzündungen. Sie sind phagozytierende Zellen (verschlingen und zerstören Mikroben).
- Neutrophilie (Hohe Neutrophilenzahl): Ein Anstieg der Neutrophilen. Zu den Mechanismen gehören eine erhöhte Produktion, eine beschleunigte Freisetzung aus dem Knochenmark, eine Verschiebung vom marginalen Pool (an den Blutgefäßwänden haftende Zellen) zum zirkulierenden Pool oder ein verzögerter Austritt in die Gewebe.
Ursachen der Neutrophilie Reaktive Neutrophilie
Neoplastische Neutrophilie
- Bakterielle Infektionen (häufigste Ursache, insbes. pyogen)
- Entzündung & Gewebenekrose (Herzinfarkt, Verbrennungen, Operationen, Pankreatitis, Vaskulitis, Gicht)
- Stoffwechselstörungen (DKA, Urämie, Eklampsie)
- Bestimmte Medikamente (Kortikosteroide, Lithium, G-CSF)
- Stress (körperlicher/emotionaler Stress, Trauma, Bewegung)
- Maligne Neoplasien (als paraneoplastische Reaktion)
- Blutung / Hämolyse (akut)
- Rauchen
- Schwangerschaft
- Chronische myeloische Leukämie (CML)
- Andere myeloproliferative Neoplasien (Polycythaemia vera, Essentielle Thrombozythämie, Primäre Myelofibrose)
- Chronische Neutrophilenleukämie (selten)
- Neutropenie (Niedrige Neutrophilenzahl): Eine Abnahme der Neutrophilen (absolute Zahl < 1,5-2,0 x 109/L, schwer < 0,5 x 109/L). Erhöht das Infektionsrisiko.
- Agranulozytose: Eine schwere Form der Neutropenie mit nahezu vollständigem Fehlen von Granulozyten (Neutrophile, Eosinophile, Basophile). Oft definiert als absolute Neutrophilenzahl (ANC) < 0,5 x 109/L (oder manchmal < 0,1-0,2 x 109/L).
Ursachen der Neutropenie Verminderte Produktion / Knochenmarkprobleme
Erhöhte Zerstörung / Periphere Ursachen
- Aplastische Anämie
- Leukämie (infiltrierendes Knochenmark)
- Myelodysplastisches Syndrom (MDS)
- Chemotherapie / Strahlentherapie
- Bestimmte Medikamente (Arzneimitteltoxizität)
- Schwere Mangelernährung (B12, Folsäure, Kupfer, schwere Unterernährung)
- Angeborene Neutropenien (z. B. zyklische Neutropenie, Kostmann-Syndrom, Chediak-Higashi)
- Einige Infektionen, die das Knochenmark betreffen (z. B. Parvovirus B19)
- Überwältigende Infektionen (Sepsis - Neutrophile werden verbraucht)
- Autoimmun-Neutropenie (z. B. bei SLE, RA, Felty-Syndrom)
- Arzneimittelinduzierte Immunzerstörung
- Hypersplenismus (milzbedingte Sequestrierung)
- Virusinfektionen (können vorübergehende Neutropenie verursachen)
- Dialyse
Eosinophile
Eosinophile sind an der Bekämpfung von Parasiteninfektionen und der Modulation allergischer Entzündungsreaktionen beteiligt.
- Eosinophilie (Hohe Eosinophilenzahl): Ein Anstieg der Eosinophilen (typischerweise > 0,5 x 109/L).
Ursachen der Eosinophilie Reaktive Eosinophilie
Neoplastische Eosinophilie
- Allergische Erkrankungen (häufigste Ursache in Industrieländern): Asthma, allergische Rhinitis, Ekzem (atopische Dermatitis), Arzneimittelallergien, Urtikaria.
- Parasiteninfektionen (weltweit Hauptursache): Insbesondere gewebeinvasive Helminthen (Würmer) wie Askariasis, Toxokariasis, Trichinose, Schistosomiasis, Strongyloidiasis, Filariose, Hakenwurm.
- Hauterkrankungen (z. B. Pemphigus, Dermatitis herpetiformis)
- Bestimmte Infektionen (z. B. Pilzinfektionen wie Kokzidioidomykose, Rekonvaleszenzphase einiger bakterieller/viraler Infektionen)
- Autoimmun- / Bindegewebserkrankungen (z. B. eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis [Churg-Strauss], rheumatoide Arthritis)
- Bestimmte Malignome (Hodgkin-Lymphom, einige T-Zell-Lymphome, solide Tumoren mit Nekrose oder Metastasierung)
- Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison)
- Immundefektsyndrome (z. B. Hyper-IgE-Syndrom, Wiskott-Aldrich)
- Hypereosinophile Syndrome (HES) - einige Formen sind reaktiv
- Myeloische/Lymphoide Neoplasien mit Eosinophilie und Gen-Rearrangement (z. B. unter Beteiligung von PDGFRA, PDGFRB, FGFR1)
- Chronische Eosinophilenleukämie, NOS
- Akute myeloische Leukämie mit Eosinophilie (z. B. AML mit inv(16))
- Systemische Mastozytose
- Andere myeloproliferative Neoplasien (CML, PV, ET, PMF) können mit Eosinophilie einhergehen
- Eosinopenie (Niedrige Eosinophilenzahl): Eine Abnahme unter nachweisbare Werte (oft < 0,02 x 109/L) oder vollständiges Fehlen (Aneosinophilie). Häufig beobachtet bei akuten Stressreaktionen (aufgrund von Cortisolfreisetzung), akuten bakteriellen/viralen Infektionen (Frühphase), Verabreichung von Kortikosteroiden oder ACTH, Cushing-Syndrom und manchmal während eines Schocks.
Basophile
Basophile sind die seltenste Art von Granulozyten und enthalten Histamin und Heparin. Sie spielen eine Rolle bei allergischen Reaktionen (insbesondere Soforttyp-Überempfindlichkeit) und möglicherweise bei Parasiteninfektionen.
- Basophilie (Hohe Basophilenzahl): Relativ ungewöhnlich. Am stärksten assoziiert mit:
- Myeloproliferativen Neoplasien, insbesondere chronischer myeloischer Leukämie (CML). Auch bei Polycythaemia vera, Essentieller Thrombozythämie, Myelofibrose.
- Überempfindlichkeitsreaktionen (allergische Reaktionen, manchmal Nahrungsmittelallergien).
- Hypothyreose.
- Bestimmten Infektionen (z. B. Windpocken, Influenza).
- Colitis ulcerosa.
- Erholungsphase von Infektionen.
- Selten basophile Leukämie.
- Basopenie (Niedrige Basophilenzahl): Schwer zuverlässig zu beurteilen, da normalerweise nur sehr geringe Mengen vorhanden sind. Kann bei akuten Infektionen, Stress, Hyperthyreose oder unter Kortikosteroidbehandlung auftreten. Wird im Allgemeinen für sich genommen nicht als klinisch signifikant angesehen.
Monozyten
Monozyten sind die größte Art von Leukozyten. Sie zirkulieren für kurze Zeit im Blut, bevor sie in Gewebe einwandern, wo sie sich zu Makrophagen oder dendritischen Zellen differenzieren. Sie sind wichtige Phagozyten, verarbeiten und präsentieren Antigene für Lymphozyten und produzieren Zytokine.
- Monozytose (Hohe Monozytenzahl): Ein Anstieg der Monozyten (typischerweise > 0,8-1,0 x 109/L).
Ursachen der Monozytose Reaktive Monozytose
Neoplastische Monozytose
- Chronische Infektionen (Tuberkulose, subakute bakterielle Endokarditis, Syphilis, Brucellose, Pilzinfektionen, Protozoeninfektionen wie Malaria)
- Erholungsphase von akuten Infektionen oder Neutropenie
- Chronisch-entzündliche/Autoimmunerkrankungen (SLE, RA, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen [Morbus Crohn, Colitis ulcerosa], Sarkoidose, Vaskulitis wie Polyarteriitis nodosa)
- Granulomatöse Erkrankungen
- Bestimmte Malignome (Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom, solide Tumoren wie Karzinome, Sarkome, multiples Myelom)
- Zustand nach Splenektomie
- Tetrachlorethan-Vergiftung
- Chronische myelomonozytäre Leukämie (CMML)
- Akute myelomonozytäre Leukämie (AML M4)
- Akute monoblastische/monozytäre Leukämie (AML M5)
- Juvenile myelomonozytäre Leukämie (JMML)
- Andere myelodysplastische/myeloproliferative Neoplasien
- Monozytopenie (Niedrige Monozytenzahl): Relativ ungewöhnlich. Kann beobachtet werden bei:
- Aplastischer Anämie
- Haarzellleukämie
- Akuten Infektionen (manchmal vorübergehend)
- Behandlung mit Kortikosteroiden oder bestimmten Chemotherapeutika.
Lymphozyten
Lymphozyten sind zentral für das adaptive Immunsystem. Sie umfassen T-Lymphozyten (T-Zellen - beteiligt an der zellvermittelten Immunität, Regulierung von Immunantworten), B-Lymphozyten (B-Zellen - produzieren Antikörper) und Natürliche Killerzellen (NK-Zellen - Teil der angeborenen Immunität).
- Lymphozytose (Hohe Lymphozytenzahl): Ein Anstieg der Lymphozyten (absolute Zahl variiert mit dem Alter, im Allgemeinen > 4,0 x 109/L bei Erwachsenen).
Ursachen der Lymphozytose Reaktive (polyklonale) Lymphozytose
Neoplastische (monoklonale) Lymphozytose
- Virusinfektionen (häufigste Ursache): Infektiöse Mononukleose (EBV), Cytomegalievirus (CMV), Virushepatitis, Adenovirus, Röteln, Mumps, HIV (akute Phase).
- Bakterielle Infektionen: Pertussis (Keuchhusten), Tuberkulose, Brucellose, Syphilis (sekundär/tertiär).
- Protozoeninfektionen: Toxoplasmose.
- Nicht-infektiöse Entzündung/Stress: Überempfindlichkeitsreaktionen, Autoimmunerkrankungen (manchmal), nach Impfungen, Stress (vorübergehend).
- Rauchen (chronisch)
- Zustand nach Splenektomie
- Chronische lymphatische Leukämie (CLL) / Kleinzelliges lymphozytisches Lymphom (SLL)
- Akute lymphatische Leukämie (ALL)
- Andere Lymphome mit leukämischer Phase (z. B. Mantelzell-, follikuläres, Marginalzonen-Lymphom)
- Haarzellleukämie
- Leukämie der großen granulären Lymphozyten (LGL)
- Prolymphozytenleukämie (PLL)
- Schwerkettenkrankheiten (selten)
- Lymphozytopenie (Niedrige Lymphozytenzahl): Eine Abnahme der Lymphozyten (typischerweise < 1,0-1,5 x 109/L bei Erwachsenen). Kann T-Zellen, B-Zellen oder NK-Zellen betreffen. Ursachen sind unter anderem:
- Akute Infektionen (viral wie Influenza, HIV; schwere bakterielle Sepsis)
- Immundefektsyndrome (Angeboren wie SCID; Erworben wie AIDS)
- Autoimmunerkrankungen (SLE, RA - manchmal)
- Kortikosteroidtherapie / Cushing-Syndrom
- Chemotherapie / Strahlentherapie
- Knochenmarkversagen / Aplastische Anämie
- Bestimmte Malignome (z. B. Hodgkin-Lymphom)
- Schwere Krankheit oder Stress
- Mangelernährung / Zinkmangel
- Nierenversagen
- Sarkoidose / Miliartuberkulose
Andere gelegentlich festgestellte Zellen
Plasmazellen
Plasmazellen sind reife B-Lymphozyten, die darauf spezialisiert sind, große Mengen spezifischer Antikörper zu produzieren. Sie befinden sich normalerweise hauptsächlich im Knochenmark und in lymphatischen Geweben und zirkulieren typischerweise nicht im peripheren Blut.
Das Auftreten von Plasmazellen im peripheren Blut ist in der Regel abnormal und kann auf Folgendes hinweisen:
- Schwere Infektionen oder chronische Entzündungszustände (reaktive Plasmozytose, meist geringe Anzahl).
- Bestimmte Virusinfektionen (z. B. Masern, Röteln, Windpocken, infektiöse Mononukleose, Virushepatitis).
- Allergische Reaktionen, Serumkrankheit.
- Multiples Myelom (eine Plasmazell-Malignität - das Vorhandensein im Blut weist oft auf eine fortgeschrittene/aggressive Erkrankung hin).
- Plasmazellleukämie (seltene, aggressive Form des Myeloms mit hohen Zahlen im Blut).
- Waldenström-Makroglobulinämie oder andere lymphoproliferative Erkrankungen.
Atypische mononukleäre Zellen / Reaktive Lymphozyten
Diese Begriffe beziehen sich oft auf Lymphozyten, die als Reaktion auf eine Stimulation, meist Virusinfektionen, aktiviert wurden. Sie erscheinen größer als normale Lymphozyten, mit reichlicherem Zytoplasma (das basophil oder vakuolisiert sein kann) und manchmal unregelmäßig geformten Kernen.
Während geringe Mengen normal sein können, ist ein signifikanter Anstieg atypischer Lymphozyten (oft >10-20%) charakteristisch für:
- Infektiöse Mononukleose (verursacht durch das Epstein-Barr-Virus - EBV): Die klassische Ursache.
- Andere Virusinfektionen: Cytomegalievirus (CMV), Virushepatitis, Toxoplasmose, HIV (akut), Röteln, Adenovirus.
- Arzneimittel-Überempfindlichkeitsreaktionen.
- Bestimmte Impfungen.
- Stress / Nach Operationen.
- Einige Autoimmunerkrankungen.
Es ist wichtig, reaktive Lymphozyten von bösartigen Zellen (Blasten), die bei Leukämie auftreten, zu unterscheiden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Meine Gesamtleukozytenzahl ist hoch. Bedeutet das, dass ich eine Infektion habe?
Eine Infektion ist der häufigste Grund für eine hohe Leukozytenzahl, aber nicht der einzige. Ihr Körper kann auch als Reaktion auf Stress (sowohl körperlich als auch emotional), Entzündungen, bestimmte Medikamente wie Steroide oder nach einer Verletzung mehr weiße Blutkörperchen freisetzen. Ihr Arzt wird das "Differentialblutbild" betrachten, um zu sehen, welcher spezifische Typ von Leukozyten erhöht ist, um weitere Hinweise zu erhalten.
Was bedeutet eine niedrige Leukozytenzahl für meine Gesundheit?
Eine niedrige Leukozytenzahl oder Leukopenie bedeutet, dass die Fähigkeit Ihres Körpers, Infektionen abzuwehren, verringert sein kann. Das größte Problem ist ein niedriger Spiegel an Neutrophilen (Neutropenie). Dies kann durch Virusinfektionen, Autoimmunerkrankungen, bestimmte Medikamente oder Probleme mit Ihrem Knochenmark verursacht werden. Ihr Arzt wird die Ursache ermitteln und Sie über notwendige Vorsichtsmaßnahmen beraten, um nicht krank zu werden.
Warum ist die "absolute Zahl" wichtiger als der Prozentsatz im Differentialblutbild?
Prozentsätze können irreführend sein. Beispielsweise könnte Ihr Lymphozyten-Prozentsatz hoch sein, aber wenn Ihre Gesamtleukozytenzahl sehr niedrig ist, könnte Ihre absolute Anzahl an Lymphozyten immer noch normal oder sogar niedrig sein. Die absolute Zahl (z. B. absolute Neutrophile) gibt die tatsächliche Anzahl der Zellen an, die für ihre Aufgabe zur Verfügung stehen, und spiegelt Ihren Immunstatus genauer wider.
Das Verfahren zur Bestimmung der WBC-Zahl und des Differentialblutbildes
- Testname: Großes Blutbild (CBC) mit Differentialblutbild.
- Probenart: Vollblut, entnommen in einem Antikoagulanzien-Röhrchen (meist EDTA - lila Deckel).
- Vorbereitung: Im Allgemeinen ist kein Fasten oder eine spezielle Vorbereitung erforderlich.
- Entnahme: Standard-Venenpunktion (Blutentnahme aus einer Vene).
- Analyse: Durchgeführt mit automatisierten Hämatologie-Analysegeräten. Diese Instrumente zählen die gesamten Leukozyten und differenzieren die Haupttypen basierend auf Größe, Komplexität und Lichtstreuungseigenschaften. Wenn die automatisierte Zählung Anomalien anzeigt oder bestimmte Kriterien erfüllt sind, wird typischerweise ein peripherer Blutausstrich angefertigt, gefärbt und mikroskopisch von einem geschulten Technologen oder Pathologen untersucht, um das automatisierte Differentialblutbild zu bestätigen, die Zellmorphologie zu beurteilen und abnormale Zellen (wie Blasten, Plasmazellen, atypische Lymphozyten) zu identifizieren.
Ihre Gesundheit ist ein Dialog
Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken und sollten keine professionelle medizinische Beratung ersetzen. Eine Leukozytenzahl liefert wichtige Hinweise, muss jedoch von einem medizinischen Fachpersonal im Kontext Ihres gesamten Gesundheitsbildes interpretiert werden.
Referenzen
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- Bain, B. J., Bates, I., & Laffan, M. A. (Eds.). (2016). *Dacie and Lewis Practical Haematology* (12th ed.). Elsevier. [Note: Comprehensive hematology laboratory textbook]
- Hoffman, R., Benz Jr, E. J., Silberstein, L. E., Heslop, H. E., Weitz, J. I., & Anastasi, J. (Eds.). (2017). *Hematology: Basic Principles and Practice* (7th ed.). Elsevier. [Note: Comprehensive clinical hematology textbook]
Siehe auch
- Antiphospholipid-Syndrom (APS)
- Marker für autoimmune Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
- Biochemische Marker des Knochenumbaus und von Knochenerkrankungen
- Liquoruntersuchung (CSF)
- Großes Blutbild (CBC):
- Lipoprotein(a), Lp(a)
- S100-Protein-Tumormarker - ein Marker im Zusammenhang mit Hirnverletzungen
- Spermiogramm (Samenanalyse)
- Tumormarker-Tests (Krebs-Biomarker):
- Alpha-Fetoprotein (AFP)
- ALK-Rearrangement (ctDNA)
- β-2-Mikroglobulin (Beta-2)
- BRAF-Mutation (ctDNA)
- BRCA1/BRCA2-mutationsassoziierte Marker (ctDNA)
- CA 19-9, CA 72-4, CA 50, CA 15-3 und CA 125 Tumormarker (Krebsantigene)
- Calcitonin
- Krebsassoziiertes Antigen 549 (CA 549)
- Carcinoembryonales Antigen (CEA)
- Chromogranin A (CgA)
- Cytokeratin-19-Fragment (CYFRA 21-1)
- Östrogenrezeptor (ER) / Progesteronrezeptor (PR) (CTCs)
- Gastrin-Releasing-Peptid (GRP)
- HE4 (Humanes Epididymis-Protein 4)
- HER2/neu (Serum)
- Humanes Choriongonadotropin (hCG)
- KRAS-Mutation (ctDNA)
- Laktatdehydrogenase (LDH)
- Mesothelin
- Mucin-ähnliches karzinomassoziiertes Antigen (MCA)
- Neuronenspezifische Enolase (NSE)
- Osteopontin
- PD-L1-Expression (CTCs oder Serum)
- ProGRP (Pro-Gastrin-Releasing-Peptid)
- Prostataspezifisches Antigen (PSA) Test
- S100-Protein-Tumormarker
- Plattenepithelkarzinom-Antigen (SCC)
- Thyreoglobulin (Tg)
- Gewebe-Polypeptid-Antigene (ТРА, TPS)
- Urinuntersuchung:

