Kopfschmerzen und Migräne: Symptome, Diagnose und Behandlung

Kopfschmerzen als Symptom, Migräne im Überblick

Kopfschmerz (medizinisch Cephalgie) ist ein sehr häufiges Symptom, das durch Schmerzempfindungen im Kopf- oder oberen Nackenbereich gekennzeichnet ist. Er stellt kein einzelnes Krankheitsbild dar, sondern kann aus einer Vielzahl von zugrunde liegenden Ursachen entstehen. Diese Ursachen werden grob in primäre Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne, Spannungskopfschmerz und trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen (TAK) unterteilt, bei denen der Kopfschmerz selbst die Haupterkrankung ist, sowie sekundäre Kopfschmerzen, die Symptom einer anderen Erkrankung sind [1]. Sekundäre Ursachen umfassen Erkrankungen des Gehirns und seiner Schutzhüllen (Meningen), wie Infektionen (Meningitis, Arachnoiditis, Enzephalitis), Blutungen (Subarachnoidalblutung, subdurales Hämatom), raumfordernde Läsionen (Tumore, Abszesse), Schädel-Hirn-Traumata oder Störungen der Hirnwasserzirkulation (Liquor), die zu einem erhöhten intrakraniellen Druck (Hirndruck) (z.B. Hydrozephalus, idiopathische intrakranielle Hypertension) oder niedrigem Liquordruck (z.B. postpunktioneller Kopfschmerz, spontanes Liquorleck) führen. Kopfschmerzen können auch auf extrakranielle Probleme zurückzuführen sein, z. B. Erkrankungen der Nackenmuskulatur und -gelenke (zervikogener Kopfschmerz), Erkrankungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), Augenerkrankungen (akutes Glaukom, Refraktionsfehler), zahnärztliche Probleme, Dysfunktion des Kiefergelenks (CMD) oder systemische Erkrankungen wie Gefäßerkrankungen (Riesenzellarteriitis, Hypertonie, zerebrale Venenthrombose), Infektionen, Stoffwechselstörungen sowie Substanzgebrauch oder -entzug.

Die Schmerzen bei intrakraniellen Prozessen wie Meningitis, Subarachnoidalblutung oder schnell wachsenden Tumoren resultieren häufig aus der Reizung oder mechanischen Verzerrung (Dehnung, Zug) schmerzempfindlicher intrakranieller Strukturen. Dazu gehören vor allem die Dura mater (harte Hirnhaut), die die Schädelbasis auskleidet, sowie die großen Arterien (z.B. Circulus Willisii), Venen und venösen Sinus an der Gehirnbasis [2]. Diese Strukturen werden hauptsächlich durch Äste des Nervus trigeminus (CN V - supratentoriell) und der oberen zervikalen Spinalnerven (C1-C3 - infratentoriell und Dura der hinteren Schädelgrube) innerviert. Mechanische Stimulation (Druck, Zug) oder chemische Reizung (z.B. durch Blutabbauprodukte bei SAB, Entzündungsmediatoren bei Meningitis) dieser Nervenenden lösen den Kopfschmerz aus. Ein erhöhter Hirndruck kann durch Dehnung der Dura und der Blutgefäße sowie potenziell durch direkte Druckeffekte Kopfschmerzen verursachen, auch wenn die Korrelation zwischen absolutem Hirndruckniveau und Schmerzintensität nicht immer direkt ist. Eine gestörte Liquor-Zirkulation ist ein Schlüsselfaktor bei Kopfschmerzen in Verbindung mit Hydrozephalus oder Raumforderungen, die die Liquorwege verlegen.

Diagramm zur Veranschaulichung typischer Schmerzlokalisationsmuster für verschiedene Kopfschmerzarten (z.B. frontal, temporal, okzipital, periorbital, diffus). Die Schmerzlokalisation ist ein wichtiges diagnostisches Merkmal, kann sich jedoch zwischen verschiedenen Kopfschmerzarten überschneiden.

Vaskuläre (Gefäß-) Faktoren spielen bei bestimmten Kopfschmerzarten eine wichtige Rolle. Bei der Migräne beinhalten komplexe neurovaskuläre Mechanismen eine neuronale Übererregbarkeit, eine kortikale Streudepolarisation (die der Aura zugrunde liegt), eine Aktivierung des trigeminovaskulären Systems (Freisetzung von Neuropeptiden wie CGRP, was Vasodilatation und neurogene Entzündung verursacht) und eine Sensibilisierung der zentralen Schmerzbahnen [3]. Schwankungen im Gefäßtonus können zur Schmerzwahrnehmung beitragen, indem sie perivaskuläre Trigeminusnervenenden aktivieren. Kopfschmerzen im Zusammenhang mit schwerem Bluthochdruck (hypertensive Krise/Enzephalopathie) oder Hypotonie können ebenfalls durch direkte Gefäßeffekte oder eine veränderte Autoregulation auftreten.

Eine Neuralgie beinhaltet die Reizung, Entzündung oder Schädigung spezifischer Nerven, die Strukturen an Kopf und Hals versorgen (Nervus trigeminus - CN V, Nervus glossopharyngeus - CN IX, Okzipitalnerven aus den Wurzeln C2-C3, Nervus intermedius). Dies führt typischerweise zu charakteristischen scharfen, einschießenden, stechenden, elektrisierenden oder brennenden Schmerzattacken, die auf das Versorgungsgebiet des jeweiligen Nervs beschränkt sind.

Eine sorgfältige Beschreibung der Kopfschmerzcharakteristika (Kopfschmerzanamnese) ist fundamental für die Diagnose. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:

  • Schmerzcharakter: Wie sich der Schmerz anfühlt (z.B. drückend, bandartig, pochend/pulsierend, stechend, durchbohrend, einschießend, brennend, dumpf).
  • Lokalisation: Wo der Schmerz gefühlt wird (z.B. ein- oder beidseitig, frontal, temporal, okzipital, am Scheitel, periorbital, im Gesicht). Genaue Lokalisation und Ausstrahlungsmuster sind wichtig.
  • Intensität: Schweregrad der Schmerzen, meist auf einer numerischen Skala bewertet (z.B. 0-10), von leicht bis sehr schwer/einschränkend.
  • Beginn und Dauer: Wie schnell der Kopfschmerz einsetzt (abrupt/plötzlich wie ein „Donnerschlag“ spricht für eine ernsthafte Erkrankung wie SAB) im Gegensatz zu einem allmählichen Beginn. Dauer einzelner Attacken (Sekunden, Minuten, Stunden, Tage) und allgemeines zeitliches Muster (episodisch vs. chronisch/andauernd).
  • Frequenz: Wie oft Kopfschmerzen auftreten (z.B. Anzahl der Kopfschmerztage pro Monat). Wichtig zur Unterscheidung von episodischen vs. chronischen Formen.
  • Zeitliches Auftreten: Zusammenhang mit der Tageszeit (z.B. Erwachen mit Kopfschmerzen, schlimmer am Nachmittag/Abend), Menstruationszyklus, Wochenende, bestimmten Aktivitäten oder Triggern.
  • Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Photophobie (Lichtempfindlichkeit), Phonophobie (Geräuschempfindlichkeit), Osmophobie (Geruchsempfindlichkeit); Aura-Symptome (vorübergehende visuelle, sensorische oder motorische Störungen, die dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten, typisch für Migräne mit Aura); kraniale autonome Symptome (ipsilateraler Tränenfluss, gerötete Augen, verstopfte/laufende Nase, Lidödem, Schwitzen an Stirn/Gesicht, Miosis/Ptosis, typisch für TAK); Schwindel, Nackensteifigkeit, Fieber.
  • Verschlimmernde/lindernde Faktoren: Auswirkung von alltäglicher körperlicher Aktivität, Positionsänderungen (schlimmer im Liegen deutet auf hohen Hirndruck hin; schlimmer beim Stehen auf niedrigen Liquordruck), Husten/Pressen (Valsalva), Stress, bestimmten Lebensmitteln oder Getränken (Trigger), Schlaf (lindert oft Migräne), bestimmten Medikamenten.

Der Kopfschmerzcharakter liefert diagnostische Hinweise: Hirnhautreizung (Meningitis, SAB) verursacht oft starke, anhaltende, diffuse Schmerzen mit Nackensteifigkeit. Eine Trigeminusneuralgie verursacht kurze (< Sekunden), extrem starke, stromschlagartige Gesichtsschmerzattacken, die durch harmlose Reize ausgelöst werden. Migräne ist typischerweise pulsierend/pochend und oft einseitig. Spannungskopfschmerzen werden klassischerweise als beidseitiges, nicht-pulsierendes Druck- oder Spannungsgefühl („bandartig“) beschrieben. Clusterkopfschmerz geht mit unerträglich starken, einseitigen Schmerzen im Bereich des Auges/der Schläfe einher.

Migräne und Spannungskopfschmerz sind die beiden häufigsten primären Kopfschmerzerkrankungen. Jede hat typische Merkmale hinsichtlich Schmerzqualität, Lokalisation, Intensität und Begleitsymptomen, die als Leitfaden für die klinische Diagnose dienen.

Kopfschmerzen können anhaltend (kontinuierlich über Tage oder länger) oder paroxysmal (in deutlichen Attacken mit schmerzfreien Intervallen) auftreten. Schwere, anhaltende Schmerzen sind charakteristisch für eine Meningealreizung (wobei sich eine SAB oft anfangs als plötzlicher schwerer Schmerz äußert). Kopfschmerzen aufgrund eines erhöhten Hirndrucks können anfangs intermittierend sein oder morgens schlimmer werden und mit steigendem Druck konstanter und schwerer werden.

Das Vorhandensein meningealer Zeichen (Nackensteifigkeit, Kernig-Zeichen, Brudzinski-Zeichen) neben Kopfschmerzen deutet stark auf eine meningeale Reizung durch Infektion oder Blut hin. Begleitende fokale neurologische Ausfälle (Schwäche, Taubheitsgefühl, Sehstörungen, Sprachschwierigkeiten, Koordinationsprobleme) weisen auf eine strukturelle Hirnläsion (Tumor, Schlaganfall, Abszess) oder ein spezifisches neurologisches Ereignis hin.

Hirntumore, wie dieses auf dem MRT sichtbare Gliom, sind eine wichtige sekundäre Ursache für Kopfschmerzen. Typischerweise liegt dies an einem erhöhten intrakraniellen Druck, der durch die Raumforderung selbst, das damit verbundene Ödem oder die Verlegung der Liquorwege (was einen Hydrozephalus verursacht) entsteht.

Die diagnostische Auswertung beinhaltet oft die Berücksichtigung von Begleitbefunden: Eine hypertensive Retinopathie bei der Augenspiegelung deutet auf Bluthochdruck als Faktor hin; fokale Zeichen bei der neurologischen Untersuchung oder spezifische EEG-Anomalien können helfen, eine Läsion zu lokalisieren; eine Liquoranalyse bestätigt Infektionen oder Blutungen.

Kopfschmerzen durch einen erhöhten intrakraniellen Druck (z.B. durch Hydrozephalus, Tumor, IIH) verschlimmern sich klassischerweise bei Valsalva-Manövern (Husten, Niesen, Pressen), Vornüberbeugen oder flachem Liegen und können morgens beim Aufwachen am stärksten sein.

Arterielle Hypertonie an sich gilt im Allgemeinen nicht als Ursache chronischer Kopfschmerzen, es sei denn, der Blutdruck ist massiv erhöht (hypertensive Krise/Enzephalopathie). Jedoch ist ein schlecht eingestellter Blutdruck ein Risikofaktor für Schlaganfälle und Gefäßveränderungen, die zu Kopfschmerzen führen können.

Hypotonie, insbesondere posturale Hypotonie, kann Kopfschmerzen verursachen. Diese sind meist weniger intensiv, oft dumpf oder diffus und gehen typischerweise mit Benommenheit, Müdigkeit und Schwächegefühl beim Stehen einher.

Augenbedingte Ursachen umfassen das akute Winkelblockglaukom (plötzlicher, starker einseitiger Augenschmerz, der in den Kopf ausstrahlt, verschwommenes Sehen, Lichthöfe, Übelkeit/Erbrechen, rotes Auge, entrundete, mittelweite Pupille – ein Notfall!), Uveitis/Iritis (Augenschmerzen, Rötung, Photophobie) und gelegentlich nicht korrigierte Refraktionsfehler (die oft zu frontalen Kopfschmerzen oder Augenbelastung („Asthenopie“) führen, typischerweise bei längerer Naharbeit).

Eine Rhinosinusitis verursacht Kopf- oder Gesichtsschmerzen/Druckgefühl über den betroffenen Nebenhöhlen, oft schlimmer beim Vorbeugen, typischerweise einhergehend mit nasalen Symptomen (verstopfte Nase, Sekretion, verminderter Geruchssinn). Eine Otitis media (Mittelohrentzündung) kann Ohrenschmerzen verursachen, die in die gleiche Kopfseite ausstrahlen.

Systemische Erkrankungen wie akute fieberhafte Erkrankungen (Grippe, systemische Infektionen), bestimmte endokrine Störungen (Schilddrüsenunterfunktion) und sogar schwere Anämie können mit Kopfschmerzen einhergehen.

Klassifikation von Kopfschmerzen und Migräne

Kopfschmerzen werden von der International Headache Society (IHS) anhand der International Classification of Headache Disorders systematisch klassifiziert (aktuell in der 3. Auflage, ICHD-3) [1]. Diese Klassifikation ist unerlässlich für eine genaue Diagnose, Forschung und Behandlung. Die primäre Unterteilung lautet:

  1. Primäre Kopfschmerzen: Hier ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung und wird nicht durch eine andere zugrunde liegende Erkrankung verursacht.
  2. Sekundäre Kopfschmerzen: Hier ist der Kopfschmerz ein Symptom, das auf eine andere Erkrankung zurückzuführen ist, die bekanntermaßen Kopfschmerzen verursacht.
  3. Kraniale Neuralgien, zentraler und primärer Gesichtsschmerz und andere Kopfschmerzen: Umfasst Gesichtsschmerzsyndrome und Kopfschmerzen, die nicht genau in das primäre/sekundäre Modell passen.

Eine korrekte Klassifikation basierend auf einer detaillierten Anamnese und der Einhaltung der ICHD-3-Diagnosekriterien ist fundamental.

Primäre Kopfschmerzen (ICHD-3 Klassifikation)

Sekundäre Kopfschmerzen (ICHD-3 Klassifikation)

Kraniale Neuralgien, zentraler und primärer Gesichtsschmerz (ICHD-3 Teil 3)

Anmerkung: Der Anhang der ICHD-3 listet Erkrankungen auf, die weiterer Forschung bedürfen oder deren Einordnung noch unsicher ist.

Diagnose von Kopfschmerzen und Migräne

Der diagnostische Ansatz bei Kopfschmerzen beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer neurologischen Untersuchung. Bei vielen primären Kopfschmerzen wie typischer Migräne oder Spannungskopfschmerzen kann oft eine sichere Diagnose gestellt werden, wenn das klinische Bild den etablierten Kriterien (z. B. ICHD-3) entspricht [4]. Patienten mit längeren, chronischen oder akut sehr starken Kopfschmerzen oder Kopfschmerzen mit atypischen Merkmalen bzw. neurologischen Ausfällen („Red Flags“ / Warnsignale) bedürfen einer weiteren Abklärung, meist durch einen Neurologen, um sekundäre Ursachen auszuschließen.

Differentialdiagnose von Kopfschmerzen

Kategorie / Erkrankung Hauptmerkmale / Unterscheidungspunkte Typische Untersuchungen / Befunde
Primäre Kopfschmerzen
Migräne (mit/ohne Aura) Episodische Attacken (4-72h). Meist einseitig, pulsierend, mittel/stark, verschlechtert durch körperliche Routineaktivität. Begleitende Übelkeit und/oder Erbrechen, Photophobie UND Phonophobie. Aura: reversible neurologische Symptome (meist visuell) vor dem Kopfschmerz. Klinische Diagnose nach ICHD-3. Neurologische Untersuchung zwischen Attacken unauffällig. Bildgebung meist normal (nur indiziert bei atypischen Merkmalen oder Red Flags).
Spannungskopfschmerz Dauert 30 Min bis 7 Tage. Beidseitig, drückend/beengend (nicht pulsierend), leichte/mittlere Intensität. Nicht durch körperliche Routineaktivität verschlechtert. ENTWEDER Photo- ODER Phonophobie, keine Übelkeit (oder nur sehr leicht). Perikraniale Druckschmerzhaftigkeit möglich. Klinische Diagnose nach ICHD-3. Neurologischer Befund unauffällig. Bildgebung meist nicht indiziert, sofern nicht atypisch.
Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen (TAK - z.B. Clusterkopfschmerz) Strikt einseitig, schwerster Schmerz (oft orbital/temporal). Obligate ipsilaterale kraniale autonome Symptome (rotes Auge, Tränenfluss, verstopfte Nase, Lidödem, Schwitzen, Miosis/Ptosis). Dauer und Frequenz unterscheiden die Subtypen. Klinische Diagnose nach ICHD-3. MRT meist erforderlich, um sekundäre Ursachen auszuschließen (z.B. Hypophysenadenom). Spezifisches Ansprechen auf Behandlungen wichtig (Sauerstoff bei Cluster; Indometacin bei Paroxysmaler Hemikranie).
Sekundäre Kopfschmerzen (Ausgewählte "Red Flags", die eine dringende Abklärung erfordern)
Subarachnoidalblutung (SAB) Plötzlicher, stärkster "Donnerschlagkopfschmerz" (erreicht Maximum in Sekunden, "Vernichtungsschmerz"). Oft Bewusstseinsverlust, Übelkeit, Nackensteifigkeit, Photophobie. Dringendes cCT (nativ) hochsensitiv in den ersten 6-12h. Wenn CT negativ, aber Verdacht hoch: Lumbalpunktion nach 6-12h (Blut oder Xanthochromie). CTA/DSA zur Quellensuche (meist Aneurysma).
Meningitis / Enzephalitis Kopfschmerz (oft schwer, generalisiert), Fieber, Nackensteifigkeit (Meningismus), Photophobie, Bewusstseinsstörung. Krampfanfälle und fokale Ausfälle (häufiger bei Enzephalitis). Lumbalpunktion essenziell (nach Ausschluss einer Raumforderung): Liquor zeigt Entzündung (Pleozytose), verändertes Protein/Glukose. Erregernachweis durch Gram-Präparat/Kultur/PCR. MRT zeigt Meningeales Enhancement.
Intrakranielle Raumforderung (Tumor, Abszess) Kopfschmerz oft progredient, morgens schlimmer oder bei Valsalva. Übelkeit/Erbrechen (Zeichen des Hirndrucks). Neuauftreten fokaler Defizite, Krampfanfälle. Stauungspapille. MRT mit Kontrastmittel ist die Methode der Wahl. CT nützlich im akuten Notfall.
Riesenzellarteriitis (RZA) / Arteriitis temporalis Alter ≥50. Neu aufgetretener Kopfschmerz (oft temporal), Berührungsempfindlichkeit der Kopfhaut, Kieferschmerz beim Kauen (Claudicatio), plötzliche Sehstörungen (Amaurosis fugax, Diplopie - Augennotfall!). Systemische Entzündungszeichen. Stark erhöhte BSG (>50 mm/h) und/oder CRP. Die Biopsie der Arteria temporalis ist der Goldstandard. Hochdosierte Kortikosteroide sofort beginnen, um Erblindung zu verhindern.

Wichtige Elemente des Diagnoseprozesses umfassen:

  • Detaillierte Kopfschmerzanamnese: Dies ist die wichtigste Komponente. Berücksichtigen Sie die zuvor beschriebenen Merkmale.
  • Neurologische Untersuchung: Screening auf Warnsignale (Red Flags), die auf eine sekundäre Ursache hinweisen.
  • Identifikation von Warnsignalen ("Red Flags", SNOOPP-Mnemotechnik):
    • Systemische Symptome (Fieber, Gewichtsverlust)
    • Neurologische Ausfälle
    • Onset (Beginn): Plötzlich, donnerschlagartig
    • Older Age (Ältere Patienten): Neuauftreten nach dem 50. Lebensjahr
    • Pattern Change (Musteränderung): Deutliche Änderung der Frequenz oder Schwere der Attacken
  • Diagnostische Tests: Neurobildgebung (MRT oder CT), Lumbalpunktion, oder Bluttests je nach Verdachtsdiagnose.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns ist zur Abklärung von Kopfschmerzen indiziert, wenn Warnsignale ("Red Flags") auf eine sekundäre Ursache wie strukturelle Läsionen oder einen Hydrozephalus hinweisen.

Behandlung der seltenen trigemino-autonomen Kopfschmerzerkrankungen

Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen (TAK) sind primäre Kopfschmerzen, gekennzeichnet durch extrem starke, strikt einseitige Schmerzen, begleitet von autonomen Begleitsymptomen. Die Unterscheidung ist wichtig, da die Therapiestrategien sehr unterschiedlich sind [10].

TAK-Typ (ICHD-3)
Typische Attackenmerkmale
Hauptunterscheidungsmerkmal / Therapieansprechen
Clusterkopfschmerz Dauer: 15-180 Minuten
Frequenz: 1 alle zwei Tage bis 8 pro Tag
Schmerz: Extrem stark, bohrend/stechend. Starke Unruhe.
Akutbehandlung: Hochdosierter Sauerstoff, Sumatriptan s.c./nasal. Präventiv: Verapamil (Mittel der 1. Wahl).
Paroxysmale Hemikranie (PH) Dauer: 2-30 Minuten
Frequenz: Meist ≥5 pro Tag (oft >10-20/Tag)
Kürzere Attacken als beim Cluster. Absolutes und rasches Ansprechen auf Indometacin ist diagnostisch weisend [11].
Visueller Vergleich, der die deutlichen Unterschiede in Attackendauer und Frequenz der verschiedenen TAK zeigt. Diese zeitlichen Muster sind entscheidend für die Diagnose.

Schematische Darstellung der komplexen neuronalen Bahnen (trigeminovaskuläres System, parasympathischer Outflow), die bei TAK beteiligt sind, sowie der möglichen therapeutischen Ansatzpunkte [14].

Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne

Die Behandlungsstrategien hängen von der spezifischen Diagnose und den individuellen Patientenfaktoren ab.

Kopfschmerztyp Akuttherapie (Mittel der Wahl) Präventive Optionen
Migräne Triptane / Gepante / NSAR CGRP-Antikörper, Topiramat, Betablocker, Botox (chronisch)
Spannungskopfschmerz NSAR / Paracetamol Amitriptylin
Clusterkopfschmerz Hochfluss-O₂ / Sumatriptan s.c. Verapamil, Galcanezumab

Zusätzliche Behandlungsmodalitäten:

Akupunktur ist ein anerkannter, nicht-medikamentöser Ansatz, der in vielen Leitlinien als wirksame Option zur Prophylaxe von episodischer Migräne und chronischem Spannungskopfschmerz aufgeführt wird [15].

Warnsymbol Achtung! Obwohl die meisten Kopfschmerzen gutartig sind, erfordern plötzliche starke Kopfschmerzen oder Kopfschmerzen mit neurologischen Symptomen ("Red Flags") eine sofortige ärztliche Abklärung.

Referenzen

  1. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS). The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition. Cephalalgia. 2018 Jan;38(1):1-211. doi: 10.1177/0333102417738202
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  15. Linde K, et al. Acupuncture for the prevention of episodic migraine. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Jun 28;(6):CD001218.
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