Somatoforme Störung (autonome Dysfunktion)
Somatische Belastungsstörung (SSD) verstehen
Die somatische Belastungsstörung (SSD) ist eine psychische Erkrankung, die durch eine starke Fokussierung auf körperliche Symptome (somatische Beschwerden) gekennzeichnet ist, was zu erheblichem emotionalen Leiden und Funktionseinschränkungen führt (1, 2). Personen mit SSD haben ein oder mehrere körperliche Symptome, die belastend sind oder zu einer erheblichen Beeinträchtigung des täglichen Lebens führen. Entscheidend ist, dass sie auch übermäßige Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen in Bezug auf diese somatischen Symptome oder damit verbundene gesundheitliche Bedenken aufweisen (1).
Die körperlichen Symptome können mit einer diagnostizierten medizinischen Erkrankung verbunden sein oder auch nicht. Selbst wenn eine medizinische Erkrankung vorliegt, ist das Ausmaß an Sorge, Leiden oder Beeinträchtigung des Einzelnen im Zusammenhang mit den körperlichen Symptomen unverhältnismäßig oder übermäßig (1, 2). Der Fokus liegt weniger auf dem körperlichen Symptom selbst als vielmehr auf der *psychologischen Reaktion* darauf.
Begriffe wie "Somatoforme Störung" und "Autonome Dysfunktion" (wenn sie als Primärdiagnose für diese Symptomcluster verwendet werden) sind in formalen psychiatrischen Klassifikationen (wie DSM-5) weitgehend veraltet und wurden unter SSD und verwandten Störungen zusammengefasst oder subsumiert (1).
Häufig auftretende körperliche Symptome
Personen mit SSD können über eine Vielzahl von körperlichen Symptomen berichten. Obwohl sie für sich genommen nicht diagnostisch sind, können häufige Beschwerden Folgendes umfassen (1, 2, 3):
- Schmerzsymptome: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Brustschmerzen, Bauchschmerzen.
- Kardiovaskuläre/Autonome Symptome: Herzklopfen (Wahrnehmung des Herzschlags), Blutdruckschwankungen, Schwindel oder Benommenheit (manchmal im Zusammenhang mit der Körperhaltung - orthostatische Probleme), Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht (Synkope), übermäßiges Schwitzen, Hitze- oder Kältegefühl (Probleme der Thermoregulation), Schüttelfrost oder Hitzewallungen.
- Gastrointestinale Symptome: Übelkeit, Blähungen, Bauchbeschwerden, Veränderungen der Stuhlgewohnheiten (Durchfall, Verstopfung).
- Respiratorische Symptome: Kurzatmigkeit, das Gefühl, nicht tief einatmen zu können ("Atemkorsett"-Gefühl).
- Neurologie-ähnliche Symptome: Müdigkeit, Schwäche, Parästhesien (Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Gliedmaßen), Schwindel.
- Allgemeine Symptome: Anhaltende Müdigkeit, schlechter Schlaf (Schlaflosigkeit).
Diese Symptome können manchmal in Clustern oder Episoden auftreten, die Panikattacken oder einer schweren autonomen Erregung ähneln und möglicherweise mit Blässe, Tachykardie, Angstzuständen und anschließender Schwäche einhergehen (ähnlich den historischen Beschreibungen von "sympathoadrenalen" oder "vagoinsulären Krisen").
Begleitende psychologische Merkmale
Das definierende Merkmal der SSD ist die übermäßige psychologische Reaktion auf die körperlichen Symptome. Dies muss mindestens eines der folgenden Kriterien umfassen (1, 2):
- Unverhältnismäßige und anhaltende Gedanken über die Ernsthaftigkeit der eigenen Symptome.
- Anhaltend hohes Maß an Angst bezüglich der Gesundheit oder der Symptome.
- Übermäßiger Zeit- und Energieaufwand, der diesen Symptomen oder gesundheitlichen Bedenken gewidmet wird (z. B. häufige Arztbesuche, umfangreiche Recherchen, Vermeidung von Aktivitäten).
Betroffene können erhebliche Sorgen und Frustrationen erleben und das Gefühl haben, dass ihre Symptome von Gesundheitsdienstleistern nicht ernst genommen werden (3).
Mögliche Einflussfaktoren
SSD ist komplex und resultiert wahrscheinlich aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren (1, 3):
- Biologische Faktoren: Mögliche genetische Veranlagung, erhöhte Empfindlichkeit gegenüber körperlichen Empfindungen, mögliche Veränderungen in der Schmerzverarbeitung oder der Regulation des autonomen Nervensystems.
- Psychologische Faktoren: Vorgeschichte von Trauma oder Missbrauch (physisch oder emotional), erlerntes Krankheitsverhalten, Persönlichkeitsmerkmale (z. B. Neurotizismus, Alexithymie - Schwierigkeiten, Emotionen zu erkennen/zu beschreiben), gleichzeitig auftretende Angstzustände oder Depressionen, katastrophisierende Denkmuster über die Gesundheit.
- Soziale/Umweltfaktoren: Belastende Lebensereignisse, kulturelle Einstellungen zu körperlichen Symptomen vs. emotionaler Belastung, vergangene Erfahrungen mit Krankheiten (persönlich oder in der Familie).
Während hormonelle Veränderungen (wie während der Pubertät oder der Menopause) körperliche Symptome (z. B. Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Blutdruckänderungen) verursachen können, werden diese Symptome nur dann Teil einer SSD, wenn sie von den charakteristischen übermäßigen Gedanken, Gefühlen oder Verhaltensweisen darüber begleitet werden (1).
Diagnose der SSD
Die Diagnose einer somatischen Belastungsstörung erfordert eine umfassende Beurteilung durch medizinisches Fachpersonal, oft in Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Spezialisten und Fachleuten für psychische Gesundheit (1, 2).
Wichtige Schritte umfassen:
- Gründliche medizinische Untersuchung: Dies ist von größter Bedeutung, um zugrunde liegende medizinische Erkrankungen, die die körperlichen Symptome verursachen oder dazu beitragen könnten, auszuschließen oder zu identifizieren. Dies kann körperliche Untersuchungen, Labortests und bildgebende Verfahren umfassen.
- Beurteilung der somatischen Symptome: Dokumentation von Art, Häufigkeit und Schweregrad der körperlichen Beschwerden.
- Beurteilung der psychologischen Reaktion: Bewertung des Vorhandenseins und des Schweregrads übermäßiger Gedanken, Gefühle (insbesondere Krankheitsängste) und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit den körperlichen Symptomen unter Verwendung von Kriterien aus Diagnosehandbüchern (z. B. DSM-5).
- Beurteilung der Funktionseinschränkung: Bestimmung des Ausmaßes, in dem Symptome und die damit verbundene Belastung das tägliche Leben (Arbeit, Schule, soziale Aktivitäten) beeinträchtigen.
- Berücksichtigung von Differentialdiagnosen: Ausschluss anderer psychischer Erkrankungen wie der Krankheitsangststörung (bei der körperliche Symptome minimal oder nicht vorhanden sind, die Krankheitsangst jedoch hoch ist), der Konversionsstörung, der artifiziellen Störung oder primärer Angst-/depressiver Störungen, bei denen somatische Beschwerden vorhanden sind, aber nicht im Mittelpunkt stehen und nicht mit übermäßigen Gedanken/Verhaltensweisen einhergehen.
Es ist wichtig, dass Patienten das Gefühl haben, dass ihre körperlichen Symptome ernst genommen werden, während gleichzeitig die damit verbundene erhebliche psychische Belastung und Funktionseinschränkung untersucht wird.
Behandlungsansätze für SSD
Die Behandlung zielt darauf ab, die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern, indem sowohl die körperlichen Symptome als auch die damit verbundene psychische Belastung bewältigt werden (1, 4, 5). Eine partnerschaftliche Beziehung zwischen dem Patienten und den Gesundheitsdienstleistern ist von entscheidender Bedeutung.
- Aufbau einer starken therapeutischen Beziehung: Regelmäßige Besuche bei einem Hausarzt, der die Realität der Symptome anerkennt und sich gleichzeitig auf die Funktion und Bewältigung konzentriert, können sehr hilfreich sein (4). Vermeidet übermäßige Tests oder Überweisungen an Spezialisten, sobald eine schwere medizinische Erkrankung ausgeschlossen ist.
- Psychotherapie: Wird oft als die wirksamste Behandlung angesehen (1, 4, 5).
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hilft Patienten, wenig hilfreiche Gedanken (z. B. katastrophisierende Interpretationen von Symptomen), Gefühle (z. B. Krankheitsangst) und Verhaltensweisen (z. B. übermäßiges Kontrollieren, Vermeidung) im Zusammenhang mit ihren körperlichen Symptomen zu erkennen und zu ändern. Vermittelt Bewältigungsstrategien.
- Achtsamkeitsbasierte Therapien: Können helfen, das Bewusstsein und die Akzeptanz für körperliche Empfindungen ohne übermäßige Reaktivität zu erhöhen.
- Psychodynamische Therapie: Kann zugrunde liegende psychologische Konflikte oder vergangene Erfahrungen untersuchen, die zur Symptomausprägung beitragen.
- Medikamente: Es gibt keine von der FDA zugelassenen Medikamente speziell für SSD selbst. Antidepressiva (SSRI, SNRI) können jedoch hilfreich sein, insbesondere wenn gleichzeitig Angst- oder depressive Störungen vorliegen oder wenn sie helfen, die Schmerzwahrnehmung zu modulieren (1, 4). Medikamente sollten mit Vorsicht eingesetzt werden und auf spezifische Symptome oder Begleiterkrankungen abzielen.
- Stressmanagement und Lebensstil: Techniken wie Entspannungstraining, regelmäßige leichte Bewegung (je nach Verträglichkeit) und gute Schlafhygiene können von Vorteil sein.
- Physiotherapie: Kann hilfreich sein, wenn körperliche Symptome mit Schmerzen oder Dekonditionierung einhergehen, wobei der Schwerpunkt auf abgestufter Aktivität und funktioneller Wiederherstellung liegt.
Die Behandlung erfordert oft einen multidisziplinären Ansatz, der möglicherweise die Primärversorgung, Fachleute für psychische Gesundheit (Psychologe, Psychiater, Therapeut) und Physiotherapeuten umfasst.
Differentialdiagnose
Es ist wichtig, SSD von Folgendem zu unterscheiden:
| Erkrankung | Wichtige Unterscheidungsmerkmale |
|---|---|
| Nicht diagnostizierte medizinische Erkrankung | Körperliche Symptome werden vollständig durch einen zugrunde liegenden Krankheitsprozess erklärt (z. B. Schilddrüsenerkrankung, MS, Autoimmunerkrankungen). Erfordert eine gründliche medizinische Abklärung. Psychische Belastung kann vorhanden sein, ist aber sekundär oder proportional zur Krankheit. |
| Krankheitsangststörung | Hauptmerkmal ist die ständige Sorge, eine schwere Krankheit zu haben oder zu bekommen. Somatische Symptome fehlen oder sind sehr mild. Der Fokus liegt auf der *Angst* vor der Krankheit, nicht auf den Symptomen selbst. |
| Konversionsstörung (Funktionelle neurologische Symptomstörung) | Vorhandensein neurologischer Symptome (z. B. Lähmung, Blindheit, nicht-epileptische Anfälle), die nicht mit anerkannten neurologischen Bahnen vereinbar sind. Oft im Zusammenhang mit psychischem Stress. |
| Primäre Angststörungen (z. B. Panikstörung, generalisierte Angststörung) | Körperliche Symptome (Herzklopfen, Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden) sind vorhanden, aber der Hauptfokus liegt auf Angst, Sorgen oder einzelnen Panikattacken und nicht auf der ständigen Beschäftigung mit den körperlichen Symptomen selbst, die Belastung/Beeinträchtigung verursachen. Hohe Komorbidität. |
| Schwere depressive Störung (Major Depression) | Körperliche Symptome (Müdigkeit, Schmerzen, Schlaf-/Appetitveränderungen) sind häufig, aber die Kernmerkmale sind anhaltend gedrückte Stimmung und/oder Anhedonie. Die somatische Beschäftigung steht weniger im Mittelpunkt als bei SSD. Oft komorbid. |
| Artifizielle Störung / Simulation | Absichtliche Erzeugung oder Vortäuschung von körperlichen oder psychischen Symptomen für innere psychologische Bedürfnisse (artifiziell) oder äußeren Gewinn (Simulation). Unterscheidet sich von SSD, bei der Symptome echt erlebt werden. |
Referenzen
- American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision (DSM-5-TR). American Psychiatric Publishing; 2022. (Maßgebliche Diagnosekriterien)
- Dimsdale JE, Creed F, Escobar J, et al. Somatic symptom disorder: an important change in DSM. J Psychosom Res. 2013;75(3):223-228. doi:10.1016/j.jpsychores.2013.06.033
- Kurlansik SL, Maffei MS. Somatic Symptom Disorder. Am Fam Physician. 2016;93(1):49-54. Available from: https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2016/0101/p49.html
- Kleinstäuber M, Witthöft M, Hiller W. Cognitive-Behavioral Therapy for Somatic Symptom and Related Disorders: A Meta-Analysis on the Efficacy of Changes in Somatic Symptoms, Health Anxiety, and Depression. Psychother Psychosom. 2020;89(6):387-389. doi:10.1159/000508470
- Sumathipala A. What is the evidence for the efficacy of treatments for somatoform disorders? A critical review of systematic reviews. Psychosom Med. 2007;69(9):889-900. doi:10.1097/PSY.0b013e31815bce6e (Übersichtsarbeit zur Behandlungsevidenz)
Siehe auch
- Somatische Belastungsstörung & verwandte Themen (Behandelt körperliche Symptome mit psychischer Belastung, historisch mit autonomer Dysfunktion verbunden)
- Depression
- Panikstörung & Panikattacken
- Angst, Stress & verwandte Störungen (Einschließlich Symptome wie Müdigkeit und Schlaflosigkeit, historischer Kontext der 'Neurose')
- Stress & Stressbewältigung


